Sahra Wagenknecht auf http://www.freie-radios.net

Habe die GSP Kritik an Wagenknecht und Konsorten zur Kenntniss genommen und bin trotzdem überrascht über das, was Wagenknecht in diesem Interview zum Besten gibt: Eine einzige Reinwaschung des Realkapitals, und das nicht nur zwischen den Zeilen sondern ausdrücklich. Ein staatliches Finanzsystem welches die Dienstleistung am Geschäft der Realkapitalisten garantiert: Das wärs! Das wäre dann Sozialismus. Dass den Leuten damit wohl kaum geholfen wäre merkt sie dann schon noch und macht sich darüber lächerlich: Managergehälter sollten in Zukunft an die Lohnentwicklung der Beschäftigten gekoppelt werden, dann würde die Konkurrenz, welche schon sein muss weil sonst die Unternehmen nicht innovativ sind (mit Planung gehts nicht, dass hat der Realsozialismus ja gezeigt) nicht mehr auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden! Und was, wenn die Konkurrenzfähigkeit Lohnsenkungen erfordert? Soll der Manager dann zwischen zwei Übeln wählen? Was, wenn der Kapitalist sein eigener Manager ist? Was darf er dann? Und ein Eigentum, welches nicht nach eigenen Kriterien bewirtschaftet werden darf: Ist das überhaupt verfassungskonform? (Wagenknecht selbst argumentiert gerne mit Verfassungskonformität gegen das Finanzkapital).
Ihre Politikschelte ist direkt eine Verschwörungstheorie, wonach Steinbrück und die Regierung ihre Politik (warum auch immer, ist halt ne „politische Entscheidung“) an den Bedürfnissen der oberen 10 000 ausrichten und den Rest des Volkes dafür vor die Hunde gehen lassen. Warum sollten sie das wollen? Haben die das nötig, werden die bestochen, haben die sonst irgendwas davon? Oder warum widmen die den Staat nicht einfach zu einem Dienstleistungsunternehmen für das „Allgemeinwohl“ (von Wagenknecht als Wohl der Menschen die drin leben verstanden) um? Von aus staatlicher Sicht durchaus rationellen Gründen den Geschäften der Finanzer der Weg frei zu machen will Wagenknecht nichts wissen. Dass die Menschen sowieso mit ihrer Zahlungsfähigkeit der Wirtschaft zu dienen haben, ist für Wagenknecht selbstverständlich: An höheren Renteneinkommen und Sozialleistungen ist besonders praktisch, dass sie nicht gespart werden können. Nur so sind sie nachfragestimulierend und so müssen sie dann auch aussehen! Hat halt ihren Keynes studiert, die Volkswirtschaftlerin.
Weiß nicht ob es lohnt, das Interview mal ausführlich auseinanderzunehmen. Geht, wenn man kein Buch schreiben will, kaum ohne Schwerpunktsetzung, weil es sich halt außer in der Ablehnung der neueren Bereicherungstechniken des Finanzkapitals in nichts von bürgerlichen Ökonomievorstellungen unterscheidet. Naja, den gnadenlosen Idealismus, dass die kapitalistische Wirtschaft für die Wohlfahrt seiner Subjekte da wäre, den hält nicht mal die immer durch. Da sind die Auskünfte eines Hans-Werner Sinns, („Die richtige Strategie, da sind sich viele Ökonomen einig […], muß mit Lohnverzichten einhergehen, denn man kann die Gesetze der Marktwirtschaft nicht durch bloßes Wunschdenken überwinden“) > allemal realistischer als die Politikangebote Wagenknechts, die dem Kapitalismus das menschenfreundliche Gesicht zurückgeben will, welches der in den USA der 30er, als dort allzuwildes Spekulieren verboten war, ihrer Meinung nach anscheinend hatte. Dass dieser Staat sich Luxusprobleme wie diese Frau leistet: Der weiß wohl wirklich nicht, wer seine Freunde sind.


2 Antworten auf „Sahra Wagenknecht auf http://www.freie-radios.net“


  1. 1 Prüfi 01. Juni 2009 um 13:34 Uhr

    Auf meinem Blog habe ich mal ein Video der Sendung „Menschen bei Maischberger“ gepostet; da ist die Wagenknecht auch.

    Da ist die ernsthaft ein Fan des „Mittelstands“ und der Banken. Den Mittelstand mag sie, weil er Arbeitsplätze schafft und die Banken (verstaatlicht) mag sie, weil sie die Realtwirtschaft mit Kredit „versorgt“…

    Tolle Kommunistin.

  2. 2 Hüst 22. Februar 2010 um 21:27 Uhr

    Ja, das mit der Wagenknecht hat mich auch schockiert, hatte mich so gefreut als die mal hier im Kaff aufgetreten ist und war die ganze Zeit versucht ihr UND WAS IS JETZ MIT KLASSENKAMPF ?! ins Gesicht zu spucken. Die Frau hat mit Kommunismus so viel am Hut wie dieses Blog mit Sozialdemokratie, nämlich null.

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