Archiv für Juni 2009

Warum Linke konformistische Kritiker vielleicht scheiße finden, aber nicht kritisieren können.

So richtig scharf auf eine öffentliche Auseinandersetzung mit Brie ist bei der Linken keiner. Kein Wunder, schließlich ist innerparteiliche Geschlossenheit eine demokratische Tugend. Da gilt es nicht etwa, die Kritik zur Kenntniss zu nehmen oder zu widerlegen, sondern den Medien kein Material für hämische Kommentare zu bieten. Da der Spiegel aber einen Bericht über eine zerstrittene Linke im Programm hatte, ist er dieser Zurückhaltung begegnet und hat die für wichtig befundenen Funktionäre direkt nach Veröffentlichung des Brie-Essays angerufen und um eine Stellungnahme gebeten. Die fällt erwartungsgemäß empört aus und hat an Brie genau einen Kritikpunkt: Parteischädigendes Verhalten. (mehr…)

Ein linker Parteistratege macht sich Sorgen: André Brie auf Spiegel-Online

Ein bisschen eigentümlich ist es schon, dass ein Kopf der linkesten Realpartei der Nation seine Strategievorstellungen bei dem Spezialmedium für nationale Standpunktpflege ausbreiten darf und dies dann auch noch tut. Erstens fragt es sich, warum Spiegelleser, die der Linken wohl eher ablehnend gegenüberstehen, sich dafür interessieren sollen. Wer braucht eine Strategie für einen Zweck, den er nicht teilt? Eigentümlich auch deswegen, weil Strategiedebatten doch wohl eher in Parteipapiere gehören, als in die Massenmedien und nicht zuletzt deshalb, weil ausgerechnet ein Blatt gewählt wird, welches, wenn es über die Linke schreibt, meist vor ewiggestrigen Populisten zu warnen hat, die das brave Volk mit unerfüllbaren sozialen Versprechen zu ködern versuchen.
Dergleichen Vorbehalte konnte Brie offenbar ausräumen. (mehr…)

Herr Müller und seine Milch

Es ist schon eine Weile her, da flatterte mir dieser Kettenbrief zu einem Müllermilchskandal ins Postfach. Da ich auch in anderem Zusammenhang auf ihn gestoßen bin nehme ich an, dass er einige Verbreitung gefunden hat. Da er zudem so ziemlich alles falsch macht, was man bei der Kritik kapitalistischer Geschäftspraxis falsch machen kann, habe ich mir die Mühe gemacht, die falsche Kritik zu kritisieren. Nun denn: (mehr…)

Für Daheimgebliebene: Zur Europawahl 2009

Europa ist ein ziemlich erfolgreiches Projekt. Trotz der damit einhergehenden Beschneidung der nationalen Souveränität gelang es den Initiatoren aus „Kerneuropa“, in entscheidenden Punkten zu einer Übereinkunft zu kommen und ihre bescheidenen nationalen Kräfte zu einem supranationalen Machtblock zu vereinen, dessen Gewicht in der Welt nicht mehr übergangen werden kann. Dabei handelte es sich erkennbar nicht um ein sich Näherkommen der Völkerschaften, um eine aktive Bewegung an der Basis der sich vernetzenden Staaten, sondern um eine Sache von Staatsmännern mit einem feststehenden Zweck, die eine Mitwirkung oder auch nur Zustimmung ihrer Bürger nicht nötig hatte.
Zwar hat sich daran im Prinzip nichts geändert. Jedoch ist die Sache inzwischen so weit vorangekommen, dass man auf die Mitwirkung der europäischen Bürger seit mehreren Jahren nicht mehr verzichten möchte. Leider zeigen die derart wenig Interesse daran, ihrer Aufgabe der Stimmabgabe nachzukommen, dass man diesen Umstand lauthals bejammert und durch Werbekampagnen Abhilfe zu schaffen sucht. Wobei es sich schon fragt: Wozu die Mühe? (mehr…)