Gewerkschaft heute

IGM

ist, den Staat um eine sozialere Politik anzubetteln und obendrein den demokratischen Kapitalismus als Wunschkonzert zu verkaufen indem nur mal eine halbe Million Menschen ihre Meinung sagen müssen.

Liebe Gewerkschaften, eure Aufgabe, ein Gegengewicht zum Kapital zu sein um der Arbeiterklasse ein Überleben zu sicher erfüllt ihr so nicht. Kein Wunder, dass der Staat sich um alles kümmern muss und demnächst womöglich Mindestlöhne vorschreibt die zu erkämpfen ihr euch zu fein seid.

So eine Gewerkschaft braucht wirklich keiner. Außer Staat und Kapital.


10 Antworten auf „Gewerkschaft heute“


  1. 1 Neoprene 16. Juli 2009 um 20:33 Uhr

    Natürlich kommt mir auch jeden Morgen die Galle hoch, wenn ich auf meiner U-Bahnstation auch dieses schöne Propagandaplakat der IGM sehen muß.

    Aber ich habe so meine Probleme mit deinem forschen: „eure Aufgabe, ein Gegengewicht zum Kapital zu sein um der Arbeiterklasse ein Überleben zu sicher[n]“ Denn so abstrakt formuliert, wird dir da wohl buchstäblich kein einziger IGM-Bürokrat widersprechen. Ganz im Gegenteil wird er sein Betteln doch als Umsetzung dieses Kampfauftrags verteidigen. Und natürlich ist sich auch kein DGBler „zu fein“ Mindestlöhne zu erkämpfen, sondern immer nur organisatorsich zu schwach („Ja ich wär schon dafür, da ziehen die Kollegen nur leider nicht mit“ usw.) oder profitbewußt wie ein FDPler der Auffassung, das es eben keine Arbeitsplätze für „Niedrigqualifizierte“ gibt, wenn Firmen denen genausoviel bezahlen müßten wie dem Rest.

    Im Ergebnis stimme ich dir aber wieder zu: Zumindest unsereiner braucht so eine Gewerkschaft nicht.(Die eigentlich sich anschließende Frage, welche Gewerkschaft denn dann, die erspare ich mir bei jemand wie dir. Die muß ich offensichtlich mit ganz anderen diskutieren)

  2. 2 l 16. Juli 2009 um 21:16 Uhr

    wie blöd, dass da nix zusammenpasst. der sichere arbeitsplatz verträgt sich mit dem rest – nunja – eher schlecht.

    was ich aber sehr interessant finde, ist ja, dass da lange nicht alles auf extrem hohe werte kommt. ist das ne endgültige kapitulation? (im sinne von: lange genug nen idealismus gepflegt.) oder wie erklärt man sich das? zB: dass es zw. arm und reich „gerecht“ zu geht, wollen nur 73% (finde ich, ist wirklich relativ wenig – ich hätte mir bei so einer frage ja mind. nen 90er-wert erwartet).

  3. 3 Pirx 16. Juli 2009 um 21:17 Uhr

    Nur um das nachzuholen: Wenn organisiatorische Schwäche das Problem wäre, dann müsste die Gewerkschaft unter den Arbeitern für eine kämpferischere Haltung werben. Sie tun das Gegenteil, also liegt das Problem woanders.

    Mindestlöhne erkämpfen, naja, ein bisschen mehr als eine Entlastung der Sozialkassen sollte ein Lohnkampf schon bewirken können, sonst könnte man ihn ja lassen.

    Uns was heißt zumindest unsereiner? Den Proleten die da mitmachen bringts ne Rechtsberatung (der einzige Grund, warum ich noch in ner Gewerkschaft bin). Sonst nur ein falsches Bewußtsein.

  4. 4 Neoprene 16. Juli 2009 um 21:35 Uhr

    Nur um da kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Mein Herbeizitieren der typischen DGB-Jammerei, das eben leider nichts ginge, sollte nicht als Rechtfertigung für die verstanden werden. Insofern liegt in der Tat das „Problem“ „woanders“.

    Zur Mindestlohndebatte halte ich aufrecht, daß ein konsequenter Verfechter von Lohnarbeit als Mittel des Zurechtkommens dann auch schlucken wird, daß es eben nur Arbeit geben kann, wenn sie nichts an Lohnkosten erfordert. Mit dem Argument erpressen doch hierzulande zur Zeit alle 5 Minuten Firmenleiter „ihre“ Belegschaften zu Lohnkürzungen, weil nur so die Arbeitsplätze zu retten seien.
    Selbst der Kampf für halbwegs lebenstaugliche Mindestlöhne setzt praktisch voraus, daß deren Erkämpfer letztlich auf die Perspektive von Lohnarbeit pfeifen. Denn wenn sie weiter daran hängen, kann man sie damit erpressen, daß nur es immer nur Arbeitsplätzte gibt, die „sich rechnen“, und wenn das durch „freche“ Mindestlohnforderungen torpediert wird, dann gibt es die eben nicht.

    Mit „unsereiner“ meinte ich Leute, deren Parole früher mal war (ist schon sehr lange her, gebe ich zu:) „Nieder mit dem Lohnsystem!“

  5. 5 Pirx 16. Juli 2009 um 22:57 Uhr

    @ I.
    Der Link zur Tabelle ist sehr interessant: Ein sicherer Arbeitsplatz + Arbeit die ein Auskommen ermöglicht und nicht krank macht? Das ist wie der Wunsch nach Sommerurlaub mit Schlittenfahren.

    Über dieser Schizophrenie hätte eine Gewerkschaft mal aufzuklären.

    Für Berliner: Morgen (Freitag) sind Gewerkschaften Thema im BAIZ ab 18.30 Uhr.

    @ Neo

    Klar, konsequent zu Ende gedacht wäre Arbeit zum Nulltarif DAS Mittel zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit. Wenn die Menschen bloß nicht was zu futtern bräuchten! Und Ansprüche haben sie auch noch!

  6. 6 negative potential 17. Juli 2009 um 12:31 Uhr

    All existing unions accept the contract system, in which labor and management agree to certain terms of employment for a given time period. In a contract, management agrees to provide a certain standard of wages, fringe benefits and working conditions. The union, for its part, agrees to keep its members working at the agreed-upon terms. The role of the union is to gain and enforce a contract with the employer. Its ability to do this depends, first, on its ability to pull a strike during negotiations and, second, on its ability to prevent strikes and slowdowns during the life of the contract.

    Thus the nature of the contract demands that the union do what no workers‘ organization should ever do — maintain labor discipline for the boss. The unions become a part of the company’s apparatus, present at every point of grievance in order to prevent any disruption of production.

    At the heart of the union’s regulatory role is the grievance procedure, whose effect is to make direct action by the workers „illegal.“ Behind the grievance procedure is the arbitration machinery which has builtin conditions encouraging collaboration instead of struggle.

    Even the ability of a union to fight at contract time is limited by its acceptance of the contract system. Employers, for example, are able to prepare for strikes by building up inventories through compulsory overtime during the last months of a contract. The unions are forced to accumulate huge treasuries to sustain a long strike, and these treasuries make them more vulnerable to injunctions and legal suits. They also make the unions into banks, insurance companies and real estate holders — with a stake in the status quo.

    The pillar of all this accumulation of wealth is, of course, the dues check-off. This measure, which was originally aimed at providing the unions with a sound financial base, has become a means of removing them entirely from any control by their members. What can one say about such an institution as the United Auto Workers, whose treasury is totally dependent on the multi-million dollar checks it receives every month from General Motors, Ford and Chrysler, the checks being called „dues“ by virtue of a slip of paper that every worker is compelled to sign if he wishes to be hired?

    We could go on and on. But the point is that every one of the great gains of the CIO drive to organize the mass production industries — seniority, the grievance procedure, the written contract, dues checkoff, paid time for officials — has been transformed into a means of strengthening the authority of management. It is not possible in this paper to review the steps in this transformation. For now, it is enough to note that the regulating role which unions always fulfilled to some degree has become their dominant aspect.

    It is easy to cry „sell-out“ at the typical labor agreement. Certainly sell-outs are common. But the root of the problem does not lie in bad leadership — although there is plenty of that — but in the institution of contract unionism itself. Indeed, one could well argue that the more conscientiously, within its own lights, the union defends the contractual interests of its members the more firmly it „rivets the laborer to capital“ as „the wedges of Vulcan did Prometheus to the rock.“

    http://www.sojournertruth.net/call.html

  7. 7 Pirx 18. Juli 2009 um 16:04 Uhr

    I guess you`re right to point out the contradictions of union work and the function, unions can have for the capital.

    Anyway there are of course a use for unions and reasons for workers to unionize. They can be an instrument for class struggle but only if they are politicized and only inside of the wage system.
    The problem with actuall unions is, that they don´t do even this but, as you pointed out, only do functions for capital and state. Indeed this way they are an enemy to the interests of workers, not their representative.

  8. 8 Neoprene 18. Juli 2009 um 16:42 Uhr

    Ich glaube, daß man mit negative potential besser auf Deutsch diskutieren kann. Ich nehme an, daß der einfach nur keine Lust hatte, diesen alten Text der STO ins Deutsche zu übersetzen.

  9. 9 Pirx 18. Juli 2009 um 18:02 Uhr

    Bisschen Internationalismus muss auch mal sein :-)

  10. 10 Neoprene 18. Juli 2009 um 18:17 Uhr

    Nein, eigentlich nicht nur „ein bißchen“ als Sahnehaube auf dem nationalen Rumgerödel. Aber das ist ein anderes Thema.

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