Post von Hr. Bsirske

Der Chef der für den Dienstleistungssektor zuständigen Gewerkschaft hat seinen Leuten einen Brief geschickt, um sie aufzuklären, warum sie nicht für niedrigere Löhne sein sollen. Man lese und staune:

„Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist trotz der konjunkturellen Belebung keineswegs überwunden. Weiterhin arbeiten viele in Kurzarbeit, auch auf dem Arbeitsmarkt wirkt sie sich spürbar aus. Und mit Verweis auf die Krise werden schon wieder Forderungen nach Lohnverzicht laut. Das wäre allerdings der falsche Weg, gerade jetzt braucht die Wirtschaft eine Stärkung der Binnenkonjunktur. Positive wirtschaftliche Impulse würden auch von einem gesetzlichen Mindestlohn ausgehen. Die Mehrheit der Bevölkerung, auch der CDU/CSU- und FDP-Wählerinnen will, dass er eingeführt wird.“

Wenn man Lohnanhängigen schon beibringen muss, dass der Anspruch auf Lohn mit höheren Weihen begründet zu werden hat, als mit dem eigenen Bedarf: Warum dann nicht mal eine ordentliche Konjunkturspritze in Form doppelter Löhne und knackiger Einkommensgarantien fordern? Wenn Binnennachfrage ein Argument gegen Lohnkürzung ist, ist es doch auch eins für mehr Lohn, oder? Schon klar, so ist es nicht gemeint. Das würde ja die Wirtschaft schädigen von der wir alle leben und überhaupt: Bsirske wollte ja nur mal sagen, dass die Interessen der Leute sich mit denen der deutschen Wirtschaft größtenteils decken, zu ihrer Berücksichtigung aber ab und an ein mahnendes Wort seiner Gewerkschaft brauchen und das die Mitglieder deswegen bitte bei der Stange bleiben sollen.
So betreut eine als legitime politische Kraft anerkannte Gewerkschaft ihre Gefolgschaft im Sinne eines konstruktiven Mitmachens durch Unterordnung eigener Interessen unter das große Ganze. Und verwurstet das Ergebnis, Löhne von denen man nicht leben kann, in ein weiteres Argument für die eigene Wichtigkeit. 7,50 € Mindestlohn müssen offenbar mit ihrem Beitrag fürs Wirtschaftswachstum begründet werden. Und wenn noch niedrigere Löhne den besser leisten? Wo bliebe man als Lohnarbeiter bloß ohne diese Gewerkschaft!


3 Antworten auf „Post von Hr. Bsirske“


  1. 1 Neoprene 27. Januar 2010 um 16:30 Uhr

    Es ist leider betrüblich, daß die offensichtliche Lüge, die Bsirske hier wieder mal vorträgt, er wäre für höhere Löhne und würde sich auch dafür einsetzen, daß die zustande kommen, ihm und den Seinen regelmäßig nicht um die Ohren gehauen wird. Denn leider kann sich Bsirske ja relativ sicher sein, daß es unter seinen Gewerkschaftsmitgliedern nur eine Handvoll Leute gibt, die ihm, wenn er das Ernst meinen würde, antworten würden: Jadoch, für sofortigen Massenstreik für 25 % Lohnerhöhung für alle und Weg mit Hartz IV!
    Nein, er weiß, daß die vorherrschende (auch weil er sie ja den Leuten immerwieder einbleut) Ideologie die ist, daß man als Lohnabhängiger in der Krise ganz kleine Brötchen backen muß, damit es der Firma/der Branche/dem Staat wieder besser ehen kann, denn sonst schmeißen die einen ja raus. Alles andere wäre ja „unrealistisch“.

  2. 2 Pirx 27. Januar 2010 um 18:53 Uhr

    So ist es. Nicht zitiert habe ich seine dem noch folgenden Tips für die Politik, die da wären:
    Rente doch wieder ab 65 um die Jobchancen Jugendlicher zu verbessern sowie Korrekturen an den Plänen von Schwarzgelb damit es gute medizinische Versorgung nicht nur für Reiche gibt. Das Ganze schließt mit einem kernigen:

    „Zusammen können wir viel bewegen.“

    Was denn, an das soziale Gewissen der Kanzlerin appellieren? Wüsste schon gerne, wie der das meint.

  3. 3 crull 29. Januar 2010 um 21:39 Uhr

    Wenn einer die Richtigkeit höherer Löhne mit der Notwendigkeit der „Stärkung der Binnenkonjunktur“ begründet, dann möchte er dem Übermut der von ihm vertretenen/bevormundeten Arbeiterklasse vorbeugen, der im schlimmsten Fall höhere Löhne aus purem, materialistischem Eigeninteresse zusagen könnten. Der gezahlte Lohn soll immer eine Variable bleiben, deren Größe sich am Erfolg des Kapitals messen lassen muß. Ohne eine Gewerkschaft, die sich für Derartiges einsetzt, sowie die dazugehörige Ideologie, bliebe der Lohnarbeiter aller Wahrscheinlichkeit denn auch nicht Lohnarbeiter, sondern würde zusammen mit seinen Klassengenossen darum ringen, das Proletariat revolutionär aufzuheben. Die Agenten des Kapitals scheinen das wenigstens zu ahnen und treffen ihre Vorkehrungen.

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