Archiv für Februar 2010

Moralwachtel Käßmann tritt zurück!

Die deutsche Oberevangelin Käßmann hat sich in kürzester Zeit einiges geleistet: Erst hat sie völlig undifferenziert die Kriegsführung des eigenen Vaterlands kritisiert ohne sagen können, wie man denn sonst Afghanistan unter Kontrolle kriegen soll, dann ist sie selber besoffen Auto gefahren. Keine Frage, dass das bei einer Moralwächterin ein Widerspruch und Rücktritt die einzige Möglichkeit zur Wiederherstellung ihrer christlich-moralischen Integrität ist.

Einerseits. Andererseits ist sie eine Frau mit Führungsposition und trägt als solche eine Verantwortung für weibliche Gleichberechtigung. Männer nehmen schließlich auch nicht jede moralische Inkonsequenz zum Anlass freiwilliger Rücktritte. Käßmann hätte sich durchaus auch ein Beispiel an ihrem katholischen Amtskollegen nehmen können, der vermutlich selbst eine publik gewordene persönliche Beteiligung an den üblichen Beichtvaterverhältnissen mit ein bißchen Demut und göttlicher Autorität locker erledigen könnte.
So ähnlich meint jedenfalls Alice Schwarzer.

Was hätte man der Frau Bischöfin also raten können? Öfter mal ISAF-Bomben segnen, wenn sie das schon nicht macht wenigstens nicht saufen oder lieber einen draufsetzten und mit souveränem Aussitzen möglichst origineller Schandtaten die Rechte der Frau voranbringen?

Die Welt der Moral ist kompliziert und bietet in diesem Fall gleich mehrere schwierige Dilemmata. Hier kommt man auch ohne Moralkritik zu Rande, zum Glück ist Käßmann weg.

Tschüß!!!

Westerwelle und die Lüge vom Lohnabstandsgebot

Westerwelle, der versucht aus seinem Beliebtheitstief herauszukommen, indem er sich zum Wortführer in der Hartz IV Debatte macht, tut dies als Anwalt der Gerechtigkeit, genauer, der Leistungsgerechtigkeit. Sein zentrales Schlagwort, mit dem er für eine Absenkung der Stütze unter das bisherige offizielle Existenzminimum argumentiert, ist das Lohnabstandsgebot: Wie soll ein deutscher Arbeitnehmer wissen, wozu er morgens aufsteht, wenn andere mit Stütze genauso gut (oder schlecht) leben? (mehr…)

Für das Recht auf selbstbestimmtes Durchwursteln unter Nichtbeachtung der Eigentumsordnung. Zum politischen Anspruch linker Hausbesetzer anlässlich der Mobilisierung für die Liebig 14 in Berlin-Friedrichshain

1. Solidarisieren!

Die drohende Räumung der Liebig 14, einem ehemals besetzten Haus im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, ist seit längerem zum prominenten Thema in der linken Szene avanciert und in den letzten Wochen durch die Räumung eines anderen Hauses noch aktueller geworden. Der Vermieter Suitbert Beulker hat nach längerem hin und her schon im letzten Jahr die rechtskräftige Kündigung aller Mietverträge erreicht. Dass dem gesprochenen Recht zur Durchsetzung verholfen wird, ist vermutlich eine Frage der Konsequenz der Staatsmacht und damit der Zeit. Um dies zu verhindern mobilisieren die Hausbewohner ihr Umfeld unter der Parole „Solidarisieren!“. Mit Demos und der Ankündigung, sich nicht widerstandslos wegschaffen zu lassen, möchte man der drohenden Räumung etwas entgegensetzen und legt sich dafür mit der Staatsmacht höchstpersönlich an. Ganz schön mutig möchte man meinen und fragt sich nach dem Verhältnis zwischen einer Zwangsvollstreckung und einem organisierten Aufstand. Schließlich ist die Tatsache, dass gesprochenes Recht auch durchgesetzt wird, hierzulande nichts Besonderes sondern Normalität, die Mobilisierung des linken Kräftepotentials ausgerechnet für diesen Fall also rechtfertigungsbedürftig. (mehr…)