Die Tür öffnen: Für eine neue imperialistische Kampfansage!

Ex-Kriegsminister Rühe und ein paar andere ehemals bedeutende Persönlichkeiten aus der Abteilung für die Sicherheit der Nation sind über den Spiegel dem angeblichen auswärtigen Bedarf nach deutscher Meinungsführerschaft nachgekommen. Zugleich haben sie dem Volke einige Überlegungen zum künftigen Weltordnen und die Möglichkeit der produktiven Einbindung Russlands in dieses Geschäft unterbreitet. Verschwiegen wird dabei eines sicher nicht: Der ganz normale zwischenstaatliche Verkehr ist kapitalismusbedingt derart kriegsträchtig, dass Kontrolle über den Rest der Welt für unser geliebtes Land und noch einige andere von der gleichen Sorte eine Frage des Überlebens ist: „[D]ie Dreiergemeinschaft Nordamerika, Europa und Russland [hat] ein objektives Interesse [.], die Folgen der Weltwirtschaftskrise gemeinsam zu überleben [und] das Entstehen neuer machtpolitischer Zentren auf Kosten der alten Strukturen zu verhindern,[…].“
Dieses Weltherrschaftsprogramm zu gewährleisten ist bekanntermaßen der Zweck der NATO, die deswegen dem Anspruch zu genügen hat, Primärforum zur Behandlung nicht nur irgendwelcher, sondern aller Krisen weltweit zu sein. Dabei stört die polit-ökonomisch-strategische Dynamik großer asiatischer Mächte enorm, weswegen alte Feindschaften zurückzustehen und sich angesichts des neuen sich rüstenden Feindes zu relativieren haben.
Russland, Erbfeind und ursprünglicher Gegenspieler der NATO, wird also gebraucht, trotzdem aber kurzsichtigerweise immer noch in Form militärischer Einkreisung, ihrer Ost-Erweiterung, „vernachlässigt“, was dieses unglücklicherweise falsch versteht: Russland pflegt immer noch ein Feindbild NATO. Allzu einseitige Schuldzuweisungen will man nicht treffen, im Ergebnis führt diese Fehlinterpretation jedoch zu der Notwendigkeit, eine schrittweise Heranführung Russlands an die NATO erstmal durch die Eindämmung der Gefahr der gegenseitigen Traktierung mit Atomwaffen vorzubereiten und sich gegenseitig die Unterlassung solcher Maßnahmen zu versprechen.
Ein solches Angebot an das störrische Russland als Auftakt zu einer möglichen NATO – Mitgliedschaft hätte neben der Bannung der gelben Gefahr einen weiteren Vorteil: Auch die neben dem erwähnten Missverständnis irgendwie doch existenten Gründe für die unerfreulichen europäisch-russischen Nachbarschaftsbeziehungen würden mit beseitigt und Russland auf Linie gebracht: „[D]ie Perspektive einer Mitgliedschaft [hat] bisher bei allen Beitrittskandidaten einen Prozess ausgelöst, der schließlich zum Wertekonsens führte.“ Klar, Russland müsste sich die Beilegung der westlichen atomflankierten Vernachlässigungen erstmal verdienen. Es hat einigen Nachholbedarf bei westlicher Standards in Sachen Rechtsstaat, politischem Pluralismus, Menschenrechten und deren Dienstherrin, der freien Marktwirtschaft, deren Krisen militärisch überstanden und deren Chancen für die Nationen auf die gleiche Weise abgesichert werden müssen. Dass Russland ein solches Angebot nicht ablehnen kann und diesen Anforderungen nachkommt, da geben sich die Autoren des sicherheitsstrategischen Beitrags zuversichtlich. Sicherheitshalber verwenden sie anschließend noch einige Absätze darauf, die Möglichkeit einer stillschweigenden Beilegung des bisherigen Gegensatzes auszuführen. „Beide Seiten dürfen sich nicht in diese Kontroverse [die Ost-Erweiterung der NATO] verrennen, weil sie das Potential für einen ernsthaften Konflikt in sich birgt.“ Es ist bemerkenswert und eine klare Auskunft über den friedfertigen Charakter demokratischer Staaten, dass es für das Ausbleiben dieser Zuspitzung das Damoklesschwert konkurrierender asiatischer Mächte braucht.
Zu guter Letzt kommt Amerika auch noch zur Sprache, das von diesen Vorschlägen trotz allen Bedarfs nach deutscher Meinungsführerschaft auch erstmal überzeugt werden müsste. „[.] [N]ach dem Ende der Ost-West-Konfrontation stehen Europa und auch Deutschland für die USA strategisch nicht mehr so im Vordergrund wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die pazifische Orientierung der USA ist unverkennbar.“ Das gemahnt fast schon so einer „Vernachlässigung“ was natürlich nicht so bleiben darf.
Im Namen der Spiegelleserschaft und überhaupt des ganzen deutschen Volkes und dem sonstigen NATO – subsumierten Menschenmaterial sowie der auch irgendwie betroffenden Asiaten und der sonstigen Weltbevölkerung ist Herrn Rühe und seinen Generälen für ihre aussagekräftige Ansage wirklich zu danken. „Die Russen kommen“ war gestern, heute gehts wieder gegen die gelbe Gefahr, wofür „wir“ die militärischen Möglichkeiten Russlands gut brauchen können. Damit Deutschland im internationalen Kapitalismus besteht, soll unser nationales Kollektiv asiatische Mächte mit vereinten Kräften militärisch austarieren, indem es Russland auf Linie bringt, den Amis wieder die richtige Orientierung beibiegt und mit allen gemeinsam einen großen Raketenabwehrschirm gegen den Einfluss unerwüschter Konkurrenz baut. So viel Blut, Schweiß und Tränen sollte einem diese Ordnung und die Stellung der Nation in ihr schon wert sein. So viel Ehrgeiz war lange nicht mehr, diesmal gibts keinen Alleingang. Egal ob Unternehmer oder Niedriglohnjobber, ob Verteidigungsminister oder atomarer Aschehaufen, immer stehn „wir“ als gute Patrioten gemeinsam für Deutschland!

Keine Lust?

Ein guter Anlass, sich zu den Grundlagen dieses imperialistischen Wahnsinns, von dem weder Deutschland noch der Rest der am Weltmarkt partizipierenden Staaten so recht lassen will, ein paar Gedanken zu machen.

Edit: Rühes Vorstoß finden alle gut. >


3 Antworten auf „Die Tür öffnen: Für eine neue imperialistische Kampfansage!“


  1. 1 pirx.blogsport.de 15. März 2011 um 21:07 Uhr

    Die tuer oeffnen fuer eine neue imperialistische kampfansage.. Great! :)

  2. 2 pirx.blogsport.de 18. März 2011 um 12:59 Uhr

    Die tuer oeffnen fuer eine neue imperialistische kampfansage.. Very nice :)

  3. 3 Neoprene 18. März 2011 um 14:07 Uhr

    Du solltest ab und zu den SPAM löschen.

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