Anti-Euro-Spekulation: Zocken ist gerecht!

Im zumindest der subjektiven Wahrnehmung nach immer unsäglicher werdenden SPON schafft es ein professioneller Vertreter der offiziellen Wirtschaftsideologie, die im Zusammenhang der Griechenlandkrise wieder aufgewärmte bescheuerte Kritik an der Spekulation, wonach diese ein auf ungezügelter Gier böser Menschen beruhendes den ordendlichen Kapitalismus bedrohendes Geschäft sei, noch bescheuerter zu widerlegen.

Ihn stört das Moralische an dieser Kritik, das ja auch wirklich völlig sachfremd ist, weswegen er dieses durch einen an den Haaren herangezogenen und bestechend unlogischen moralischen Vergleich widerlegt und die Spekulation wieder ins rechte Licht rückt, indem er ihr genau den Dienst einfach unterstellt, den sie nach Ansicht ihrer Kritiker nicht ordentlich erfüllt. Nämlich regulierendes Korrektiv der Märkte zu sein.

Das geht so: Man gebe der Kritik Recht, dass Spekulanten ihr Geld unter anderem auch mit dem Leid und der Blamage anderer Menschen und Staaten verdienen, führe aber an, dass es derlei auch in anderen Bereichen unserer freien Gesellschaft gebe. Dabei entdecke man die Ekelhaftigkeit des Reality-TV Formats der Castingshow, nehme dies aber zum Anlass zu behaupten, dann sei an der Spekulation jawohl nichts mehr zu beanstanden. Frei nach der Logik, wonach eine Scheiße die andere aufhebt, ist der erste logische Salto Mortale einer moralischen Moralkritik mit integrierter leider mäßig gelungener Schwachsinnsschraube vollbracht.
Das kann man auch wiederholen: Sind wir nicht alle irgendwie Spekulanten? Wer am Kiosk Lotto spielt, sollte nicht mit dem Finger auf Spekulanten zeigen.
Das eine hat zwar mit dem anderen nichts zu tun, denn wer Lotto spielt hat deswegen noch lange keine Ahnung von der Börse. Genau deswegen soll man aber auch die armen Spekulanten in Ruhe lassen, deren segensreiches Wirken, unseriöses Wirtschaften aufzudecken und zu korrigieren, man als lottospielender börsengeschädigter und spiegellesender Akademiker schwerlich nachvollziehen kann.
Als guter und sozialkundlich gebildeter Demokrat aber sollte man in der Lage sein, mit ein bisschen gutem Willen im Spekulanten die fünfte Gewalt zu erkennen, die den Mächtigen Paroli bietet und ihnen bei deren Geschäfte, die im Falle Griechenlands bekanntermaßen in einer kriminellen Rücksichtnahme auf die Bevölkerung bestehen, auf die Finger schaut, und ihm für diese demokratische Kontrollausübung zu danken.
So rolle man den linken Blödsinn vom Ende der Demokratie durch die Macht des Finanzkapitals rückwärts auf.

Dann braucht man nur noch den unter Verlass auf die an den Schulen der Nation erzeugte Dummheit der Leser hervorgezauberten demokratischen Charakter der Spekulation zu deren absoluten Gütesiegel zu erklären und fertig ist der Nachweis, dass die Staatskrise Griechenlands mit Spekulationen auf die griechische Verschuldungsfähigkeit, die wie jeder Ökonom wissen dürfte von genau den Spekulanten abhängt, die auf sie spekulieren, nichts zu tun haben kann.

Entweder ist der Staat, der die in seinem Auftrag produzierenden Ideologen für diesen auf den ersten Blick erkennbaren Scheiß auch noch bezahlt, ganz schön auf den Hund gekommen. Oder seine Bürger sind derart anspruchslos was Gründe für die gute patriotische Schuldzuweisungen an die Pleite-Griechen betrifft, dass ihnen die dümmste Soße gut genug ist.

Es ist schon bezeichnend, was sich heutzutage alles Wissenschaftler nennen darf.